Der Erzeuger ist verantwortlich
Die PPWR weist die Pflicht zur Ausstellung der Konformitätserklärung dem Erzeuger der Verpackung zu. Erzeuger ist, wer Verpackungen oder verpackte Produkte herstellt oder unter eigenem Namen oder eigener Marke entwickeln oder herstellen lässt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13). Bei Verpackungen ohne Marke entscheidet, wer die Gestaltung vorgibt und den Auftrag erteilt (Leitlinie der Kommission C/2026/3084). Je Lieferkette gibt es nur einen Erzeuger.
Das bedeutet: Der Erzeuger muss vor dem Inverkehrbringen die Konformität bewerten, die technische Dokumentation erstellen und die Erklärung ausstellen (Art. 15 Abs. 2). Diese Verantwortung lässt sich nicht einfach an den Materiallieferanten abschieben.
Entscheidend ist also nicht, wer physisch die Maschine bedient, sondern unter wessen Namen oder Marke die Verpackung entwickelt oder hergestellt wird und, bei Verpackungen ohne Marke, wer die Gestaltung vorgibt und den Auftrag erteilt. Genau hier werden viele Händler und Importeure rechtlich zu Erzeugern, ohne dass ihnen das bewusst ist. Für unbedruckte Standardkartons, Folien und Polster dagegen ist Erzeuger die Firma, die sie herstellt; ein Versandaufkleber gilt nicht als Marke (Kommissions-FAQ II.5).
Sechs typische Fälle: wer ausstellt und wer nur prüft
Fall A: Sie verkaufen unbedruckte Standardware eines EU-Erzeugers unverändert weiter, etwa Versandkartons, Folien oder Polster. Dann sind Sie Vertreiber: Sie stellen keine Erklärung aus und müssen auch keine vorhalten, sondern prüfen Registrierung, Kennzeichnung und die Angaben zu Erzeuger und Importeur (Art. 19). Ihre Kunden, die mit diesen Kartons verpacken, brauchen dafür keine eigene Erklärung; Erzeuger ist der Kartonhersteller (Kommissions-FAQ II.5).
Fall B: Die Verpackung trägt Ihre Eigenmarke, oder Sie lassen Verpackungen ohne Marke nach Ihrer eigenen Gestaltungsvorgabe fertigen. Dann sind Sie Erzeuger und tragen die Pflichten aus Art. 15 vollständig: Konformitätsbewertung, technische Dokumentation und Erklärung je Verpackungsart, Kennnummer, Name und Anschrift sowie Aufbewahrung über 5 beziehungsweise 10 Jahre. Ihre Vorlieferanten müssen Ihnen die nötigen Informationen und Unterlagen liefern (Art. 16).
Fall C: Sie verändern bereits in Verkehr gebrachte Verpackungen so, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann, etwa durch Konfektionieren oder eine neue Materialkombination. Dann gelten Sie als Erzeuger (Art. 21) und haben dieselben Pflichten wie in Fall B.
Fall D: Sie importieren Verpackungen oder verpackte Produkte aus einem Drittland unter fremder Marke oder ohne Marke. Dann sind Sie Importeur: Sie stellen vor dem Inverkehrbringen sicher, dass der Erzeuger im Drittland die Konformität bewertet, die technische Dokumentation erstellt und die Erklärung ausgestellt hat, geben Ihren Namen und Ihre Anschrift an und halten eine Kopie der Erklärung 5 beziehungsweise 10 Jahre bereit (Art. 18 Abs. 2, 3 und 7). Bei Massenware ohne Marke müssen Sie die Unterlagen selbst sicherstellen, und ein Begleitdokument wie der Lieferschein kann die Angaben tragen (Kommissions-FAQ X.11). Importieren Sie unter eigener Marke, sind Sie Erzeuger (Art. 21).
Fall E: Sie liefern Kartons mit dem Logo Ihres Kunden. Dann ist der Kunde Erzeuger und stellt die Erklärung selbst aus. Sie sind sein Lieferant und liefern ihm nach Art. 16 alle Informationen und Unterlagen, die er dafür braucht, einschließlich der technischen Dokumentation.
Fall F: Wie Fall E, aber Ihr Kunde ist ein Kleinstunternehmen (weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme) und Sie sitzen im selben Mitgliedstaat. Dann sind Sie Erzeuger der Logo-Kartons und haben die Pflichten wie in Fall B (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 Buchst. b). Art. 15 Abs. 12 und Art. 21 sprechen von einem Lieferanten in der Union; die Begriffsbestimmung, die Leitlinie und die FAQ der Kommission (X.3) verlangen denselben Mitgliedstaat.
Importeure: eigene Verantwortung bei Drittlandware
Wer Verpackungen oder verpackte Produkte aus einem Drittland in die EU einführt, trägt eine besondere Verantwortung. Er ist Importeur und wird dadurch nicht Erzeuger: Die Erklärung stellt der Erzeuger im Drittland aus; der Importeur hat eigene Prüf- und Aufbewahrungspflichten (Art. 18).
In der Praxis heißt das: Der Importeur stellt vor dem Inverkehrbringen sicher, dass der Erzeuger im Drittland die Konformität bewertet, die technische Dokumentation erstellt und die Erklärung ausgestellt hat, gibt seinen Namen und seine Anschrift auf der Verpackung an und hält eine Kopie der Erklärung bereit (Art. 18 Abs. 2, 3 und 7). Bei Importware ohne Marke muss er die Unterlagen selbst sicherstellen (Kommissions-FAQ X.11). Erzeuger wird er erst, wenn er unter eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt, die Verpackung so verändert, dass die Konformität betroffen sein kann (Art. 21), oder sie nach eigener Gestaltungsvorgabe fertigen lässt. Ein Importeur kann die Erklärung für den Erzeuger im Drittland vorbereiten; unterschreiben muss der Erzeuger.
Importeure sollten daher schon im Einkauf klären, ob der Erzeuger im Drittland PPWR-konforme Unterlagen bereitstellen kann, und das vertraglich regeln; ohne sie fehlt die Voraussetzung für das Inverkehrbringen nach Art. 18 Abs. 2. Wie Lieferanten mit solchen Dokumenten-Anfragen umgehen, beschreibt unser Leitfaden Kunde verlangt eine PPWR-Konformitätserklärung.
Händler unter eigener Marke gelten als Erzeuger (Art. 21 PPWR)
Besonders wichtig ist die Regel für Händler und Vertreiber, die Verpackungen unter eigenem Namen oder eigener Marke vertreiben oder die eine bereits in Verkehr befindliche Verpackung so verändern, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann. Sie gelten dann gemäß Art. 21 PPWR als Erzeuger im Sinne der Verordnung und übernehmen deren Pflichten — einschließlich der eigenen Konformitätserklärung. Eine Ausnahme gilt, wenn der Markeninhaber ein Kleinstunternehmen ist und sein Verpackungslieferant im selben Mitgliedstaat sitzt: Dann gilt der Lieferant als Erzeuger (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 Buchst. b). Art. 15 Abs. 12 und Art. 21 sprechen von einem Lieferanten in der Union; die Begriffsbestimmung, die Leitlinie und die FAQ der Kommission (X.3) verlangen denselben Mitgliedstaat.
Das gilt zum Beispiel, wenn ein Händler eine zugekaufte Verpackung mit seinem eigenen Logo oder seiner eigenen Marke versieht und sie unter diesem Namen anbietet. In diesem Fall reicht es nicht aus, sich auf die Erklärung des Vorlieferanten zu berufen; der Händler muss eine eigene Konformitätserklärung ausstellen.
Ebenso wird ein Importeur oder Vertreiber zum Erzeuger, wenn er eine bereits in Verkehr gebrachte Verpackung so verändert, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann, etwa durch Konfektionieren oder eine neue Materialkombination (Art. 21). Wer die Verpackung verändert, kann sich nicht mehr ohne Weiteres auf die Konformität des Vorlieferanten verlassen. Wer dagegen nur im Auftrag unter fremder Marke abfüllt oder verpackt (Lohnabfüller, Lohnverpacker), ist nicht Erzeuger.
Reine Händler: prüfen statt ausstellen
Anders sieht es bei reinen Vertreibern aus, die eine Verpackung unverändert und unter der Marke des ursprünglichen Erzeugers weitervertreiben. Sie stellen keine Erklärung aus und müssen sie auch nicht vorhalten.
Ihre Pflicht besteht stattdessen in der Sorgfalt: Bevor sie Verpackungen auf dem Markt bereitstellen, prüfen reine Händler, ob der Hersteller im Herstellerregister eingetragen ist, ob die Verpackung nach Art. 12 gekennzeichnet ist und ob Kennnummer sowie Name und Anschrift von Erzeuger und gegebenenfalls Importeur angegeben sind (Art. 19 Abs. 2). Eine Kopie der Erklärung bereithalten muss nur der Importeur (Art. 18 Abs. 7). Sie dürfen keine Verpackung auf dem Markt bereitstellen, von der sie wissen oder annehmen müssen, dass sie nicht konform ist.
Die Grenze zwischen reinem Händler und Erzeuger verläuft also genau dort, wo die eigene Marke ins Spiel kommt oder die Verpackung verändert wird. Wer nur durchreicht, prüft; wer unter eigener Marke verkauft oder die Verpackung konformitätsrelevant verändert, stellt selbst aus.
Sonderfall: Amazon-, eBay- und Online-Verkäufer mit Private Label
Für Online-Händler mit Eigenmarke (Private Label) hat diese Systematik eine direkte Konsequenz. Wer Produkte importiert oder fertigen lässt und sie dann unter eigener Marke über Marktplätze wie Amazon oder eBay verkauft, vertreibt die zugehörige Verpackung typischerweise unter eigenem Namen.
Damit gelten Private-Label-Verkäufer regelmäßig selbst als Erzeuger im Sinne der PPWR und müssen für ihre Verpackungen eine eigene Konformitätserklärung ausstellen sowie die technische Dokumentation vorhalten. Die Tatsache, dass der Verkauf über einen Marktplatz läuft, entbindet nicht von dieser Pflicht.
Online-Händler sollten ihr Sortiment daher zügig daraufhin prüfen, welche Verpackungen unter eigener Marke vertrieben werden, und für diese die seit dem 12. August 2026 erforderlichen Erklärungen erstellen. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, zeigt unsere PPWR-Checkliste.
Aktuell: Handelsketten und die Erzeugerrolle für Eigenmarken
Wie praxisrelevant die Eigenmarken-Regel ist, zeigt seit August 2026 der Lebensmitteleinzelhandel. Die Europäische Kommission hat in ihren FAQ zur PPWR (2. Auflage, August 2026) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister in einer Meldung vom 12. August 2026 klargestellt, dass Händler für Eigenmarken-Verpackungen auch dann als Erzeuger gelten, wenn sie das Verpackungsdesign nicht selbst verändert haben.
Nach Berichten der Lebensmittel Zeitung (August 2026) haben Lidl, Kaufland und Aldi angekündigt, die Erzeugerrolle für ihre Eigenmarken zu übernehmen; Lidl verlangt dafür von seinen Lieferanten eine Zusatzvereinbarung. Die Umsetzung ist uneinheitlich: Laut Lebensmittel Praxis (24. September 2026) spricht Lidl nur von festgelegten Eigenmarkenverpackungen, und Aldi stellt schrittweise bis zum 1. Januar 2027 um und belässt technische Dokumentation und Erklärung bis dahin bei den Lieferanten.
Für Lieferanten und Lohnhersteller heißt das: Die Anfragen aus dem Handel werden konkreter, nicht weniger. Nach Art. 16 liefern Lieferanten dem Erzeuger alle Informationen und Unterlagen, die er für den Konformitätsnachweis braucht, einschließlich der technischen Dokumentation; eine eigene Erklärung schulden sie danach nicht (Kommissions-FAQ X.4). Selbst ausstellen müssen sie nur für Verpackungen, deren Erzeuger sie sind, etwa wenn ihr Logo oder ihre Marke darauf steht, wenn sie nach eigener Gestaltungsvorgabe fertigen lassen oder wenn sie Verkaufs- und Umverpackungen mit eigenen Produkten befüllen. Für unbedruckte Standardkartons, Folien und Polster ist Erzeuger die Firma, die sie herstellt (Kommissions-FAQ II.5). Wie Sie auf solche Dokumenten-Anfragen reagieren, zeigt der Leitfaden Kunde verlangt eine PPWR-Konformitätserklärung.