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Wer muss eine PPWR-Konformitätserklärung erstellen? Erzeuger (Hersteller), Importeur, Händler

9 Min. Lesezeit

Eine der häufigsten Fragen zur PPWR lautet: Wer ist überhaupt verpflichtet, die Konformitätserklärung auszustellen? Die Antwort hängt von Ihrer Rolle in der Lieferkette ab – und nicht immer ist offensichtlich, dass man als „Erzeuger“ im Sinne der Verordnung gilt. Dieser Beitrag erklärt die Pflichten von Erzeugern (umgangssprachlich Herstellern), Importeuren und Händlern und zeigt, wann Online-Verkäufer mit Eigenmarke selbst eine Erklärung erstellen müssen.

Der Erzeuger ist verantwortlich

Die PPWR weist die Pflicht zur Ausstellung der Konformitätserklärung dem Erzeuger der Verpackung zu. Erzeuger ist, wer Verpackungen oder verpackte Produkte herstellt oder unter eigenem Namen oder eigener Marke entwickeln oder herstellen lässt (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13). Bei Verpackungen ohne Marke entscheidet, wer die Gestaltung vorgibt und den Auftrag erteilt (Leitlinie der Kommission C/2026/3084). Je Lieferkette gibt es nur einen Erzeuger.

Das bedeutet: Der Erzeuger muss vor dem Inverkehrbringen die Konformität bewerten, die technische Dokumentation erstellen und die Erklärung ausstellen (Art. 15 Abs. 2). Diese Verantwortung lässt sich nicht einfach an den Materiallieferanten abschieben.

Entscheidend ist also nicht, wer physisch die Maschine bedient, sondern unter wessen Namen oder Marke die Verpackung entwickelt oder hergestellt wird und, bei Verpackungen ohne Marke, wer die Gestaltung vorgibt und den Auftrag erteilt. Genau hier werden viele Händler und Importeure rechtlich zu Erzeugern, ohne dass ihnen das bewusst ist. Für unbedruckte Standardkartons, Folien und Polster dagegen ist Erzeuger die Firma, die sie herstellt; ein Versandaufkleber gilt nicht als Marke (Kommissions-FAQ II.5).

Sechs typische Fälle: wer ausstellt und wer nur prüft

Fall A: Sie verkaufen unbedruckte Standardware eines EU-Erzeugers unverändert weiter, etwa Versandkartons, Folien oder Polster. Dann sind Sie Vertreiber: Sie stellen keine Erklärung aus und müssen auch keine vorhalten, sondern prüfen Registrierung, Kennzeichnung und die Angaben zu Erzeuger und Importeur (Art. 19). Ihre Kunden, die mit diesen Kartons verpacken, brauchen dafür keine eigene Erklärung; Erzeuger ist der Kartonhersteller (Kommissions-FAQ II.5).

Fall B: Die Verpackung trägt Ihre Eigenmarke, oder Sie lassen Verpackungen ohne Marke nach Ihrer eigenen Gestaltungsvorgabe fertigen. Dann sind Sie Erzeuger und tragen die Pflichten aus Art. 15 vollständig: Konformitätsbewertung, technische Dokumentation und Erklärung je Verpackungsart, Kennnummer, Name und Anschrift sowie Aufbewahrung über 5 beziehungsweise 10 Jahre. Ihre Vorlieferanten müssen Ihnen die nötigen Informationen und Unterlagen liefern (Art. 16).

Fall C: Sie verändern bereits in Verkehr gebrachte Verpackungen so, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann, etwa durch Konfektionieren oder eine neue Materialkombination. Dann gelten Sie als Erzeuger (Art. 21) und haben dieselben Pflichten wie in Fall B.

Fall D: Sie importieren Verpackungen oder verpackte Produkte aus einem Drittland unter fremder Marke oder ohne Marke. Dann sind Sie Importeur: Sie stellen vor dem Inverkehrbringen sicher, dass der Erzeuger im Drittland die Konformität bewertet, die technische Dokumentation erstellt und die Erklärung ausgestellt hat, geben Ihren Namen und Ihre Anschrift an und halten eine Kopie der Erklärung 5 beziehungsweise 10 Jahre bereit (Art. 18 Abs. 2, 3 und 7). Bei Massenware ohne Marke müssen Sie die Unterlagen selbst sicherstellen, und ein Begleitdokument wie der Lieferschein kann die Angaben tragen (Kommissions-FAQ X.11). Importieren Sie unter eigener Marke, sind Sie Erzeuger (Art. 21).

Fall E: Sie liefern Kartons mit dem Logo Ihres Kunden. Dann ist der Kunde Erzeuger und stellt die Erklärung selbst aus. Sie sind sein Lieferant und liefern ihm nach Art. 16 alle Informationen und Unterlagen, die er dafür braucht, einschließlich der technischen Dokumentation.

Fall F: Wie Fall E, aber Ihr Kunde ist ein Kleinstunternehmen (weniger als 10 Beschäftigte und höchstens 2 Mio. Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme) und Sie sitzen im selben Mitgliedstaat. Dann sind Sie Erzeuger der Logo-Kartons und haben die Pflichten wie in Fall B (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 Buchst. b). Art. 15 Abs. 12 und Art. 21 sprechen von einem Lieferanten in der Union; die Begriffsbestimmung, die Leitlinie und die FAQ der Kommission (X.3) verlangen denselben Mitgliedstaat.

Importeure: eigene Verantwortung bei Drittlandware

Wer Verpackungen oder verpackte Produkte aus einem Drittland in die EU einführt, trägt eine besondere Verantwortung. Er ist Importeur und wird dadurch nicht Erzeuger: Die Erklärung stellt der Erzeuger im Drittland aus; der Importeur hat eigene Prüf- und Aufbewahrungspflichten (Art. 18).

In der Praxis heißt das: Der Importeur stellt vor dem Inverkehrbringen sicher, dass der Erzeuger im Drittland die Konformität bewertet, die technische Dokumentation erstellt und die Erklärung ausgestellt hat, gibt seinen Namen und seine Anschrift auf der Verpackung an und hält eine Kopie der Erklärung bereit (Art. 18 Abs. 2, 3 und 7). Bei Importware ohne Marke muss er die Unterlagen selbst sicherstellen (Kommissions-FAQ X.11). Erzeuger wird er erst, wenn er unter eigenem Namen oder eigener Marke in Verkehr bringt, die Verpackung so verändert, dass die Konformität betroffen sein kann (Art. 21), oder sie nach eigener Gestaltungsvorgabe fertigen lässt. Ein Importeur kann die Erklärung für den Erzeuger im Drittland vorbereiten; unterschreiben muss der Erzeuger.

Importeure sollten daher schon im Einkauf klären, ob der Erzeuger im Drittland PPWR-konforme Unterlagen bereitstellen kann, und das vertraglich regeln; ohne sie fehlt die Voraussetzung für das Inverkehrbringen nach Art. 18 Abs. 2. Wie Lieferanten mit solchen Dokumenten-Anfragen umgehen, beschreibt unser Leitfaden Kunde verlangt eine PPWR-Konformitätserklärung.

Händler unter eigener Marke gelten als Erzeuger (Art. 21 PPWR)

Besonders wichtig ist die Regel für Händler und Vertreiber, die Verpackungen unter eigenem Namen oder eigener Marke vertreiben oder die eine bereits in Verkehr befindliche Verpackung so verändern, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann. Sie gelten dann gemäß Art. 21 PPWR als Erzeuger im Sinne der Verordnung und übernehmen deren Pflichten — einschließlich der eigenen Konformitätserklärung. Eine Ausnahme gilt, wenn der Markeninhaber ein Kleinstunternehmen ist und sein Verpackungslieferant im selben Mitgliedstaat sitzt: Dann gilt der Lieferant als Erzeuger (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 Buchst. b). Art. 15 Abs. 12 und Art. 21 sprechen von einem Lieferanten in der Union; die Begriffsbestimmung, die Leitlinie und die FAQ der Kommission (X.3) verlangen denselben Mitgliedstaat.

Das gilt zum Beispiel, wenn ein Händler eine zugekaufte Verpackung mit seinem eigenen Logo oder seiner eigenen Marke versieht und sie unter diesem Namen anbietet. In diesem Fall reicht es nicht aus, sich auf die Erklärung des Vorlieferanten zu berufen; der Händler muss eine eigene Konformitätserklärung ausstellen.

Ebenso wird ein Importeur oder Vertreiber zum Erzeuger, wenn er eine bereits in Verkehr gebrachte Verpackung so verändert, dass die Konformität beeinträchtigt werden kann, etwa durch Konfektionieren oder eine neue Materialkombination (Art. 21). Wer die Verpackung verändert, kann sich nicht mehr ohne Weiteres auf die Konformität des Vorlieferanten verlassen. Wer dagegen nur im Auftrag unter fremder Marke abfüllt oder verpackt (Lohnabfüller, Lohnverpacker), ist nicht Erzeuger.

Reine Händler: prüfen statt ausstellen

Anders sieht es bei reinen Vertreibern aus, die eine Verpackung unverändert und unter der Marke des ursprünglichen Erzeugers weitervertreiben. Sie stellen keine Erklärung aus und müssen sie auch nicht vorhalten.

Ihre Pflicht besteht stattdessen in der Sorgfalt: Bevor sie Verpackungen auf dem Markt bereitstellen, prüfen reine Händler, ob der Hersteller im Herstellerregister eingetragen ist, ob die Verpackung nach Art. 12 gekennzeichnet ist und ob Kennnummer sowie Name und Anschrift von Erzeuger und gegebenenfalls Importeur angegeben sind (Art. 19 Abs. 2). Eine Kopie der Erklärung bereithalten muss nur der Importeur (Art. 18 Abs. 7). Sie dürfen keine Verpackung auf dem Markt bereitstellen, von der sie wissen oder annehmen müssen, dass sie nicht konform ist.

Die Grenze zwischen reinem Händler und Erzeuger verläuft also genau dort, wo die eigene Marke ins Spiel kommt oder die Verpackung verändert wird. Wer nur durchreicht, prüft; wer unter eigener Marke verkauft oder die Verpackung konformitätsrelevant verändert, stellt selbst aus.

Sonderfall: Amazon-, eBay- und Online-Verkäufer mit Private Label

Für Online-Händler mit Eigenmarke (Private Label) hat diese Systematik eine direkte Konsequenz. Wer Produkte importiert oder fertigen lässt und sie dann unter eigener Marke über Marktplätze wie Amazon oder eBay verkauft, vertreibt die zugehörige Verpackung typischerweise unter eigenem Namen.

Damit gelten Private-Label-Verkäufer regelmäßig selbst als Erzeuger im Sinne der PPWR und müssen für ihre Verpackungen eine eigene Konformitätserklärung ausstellen sowie die technische Dokumentation vorhalten. Die Tatsache, dass der Verkauf über einen Marktplatz läuft, entbindet nicht von dieser Pflicht.

Online-Händler sollten ihr Sortiment daher zügig daraufhin prüfen, welche Verpackungen unter eigener Marke vertrieben werden, und für diese die seit dem 12. August 2026 erforderlichen Erklärungen erstellen. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, zeigt unsere PPWR-Checkliste.

Aktuell: Handelsketten und die Erzeugerrolle für Eigenmarken

Wie praxisrelevant die Eigenmarken-Regel ist, zeigt seit August 2026 der Lebensmitteleinzelhandel. Die Europäische Kommission hat in ihren FAQ zur PPWR (2. Auflage, August 2026) und die Zentrale Stelle Verpackungsregister in einer Meldung vom 12. August 2026 klargestellt, dass Händler für Eigenmarken-Verpackungen auch dann als Erzeuger gelten, wenn sie das Verpackungsdesign nicht selbst verändert haben.

Nach Berichten der Lebensmittel Zeitung (August 2026) haben Lidl, Kaufland und Aldi angekündigt, die Erzeugerrolle für ihre Eigenmarken zu übernehmen; Lidl verlangt dafür von seinen Lieferanten eine Zusatzvereinbarung. Die Umsetzung ist uneinheitlich: Laut Lebensmittel Praxis (24. September 2026) spricht Lidl nur von festgelegten Eigenmarkenverpackungen, und Aldi stellt schrittweise bis zum 1. Januar 2027 um und belässt technische Dokumentation und Erklärung bis dahin bei den Lieferanten.

Für Lieferanten und Lohnhersteller heißt das: Die Anfragen aus dem Handel werden konkreter, nicht weniger. Nach Art. 16 liefern Lieferanten dem Erzeuger alle Informationen und Unterlagen, die er für den Konformitätsnachweis braucht, einschließlich der technischen Dokumentation; eine eigene Erklärung schulden sie danach nicht (Kommissions-FAQ X.4). Selbst ausstellen müssen sie nur für Verpackungen, deren Erzeuger sie sind, etwa wenn ihr Logo oder ihre Marke darauf steht, wenn sie nach eigener Gestaltungsvorgabe fertigen lassen oder wenn sie Verkaufs- und Umverpackungen mit eigenen Produkten befüllen. Für unbedruckte Standardkartons, Folien und Polster ist Erzeuger die Firma, die sie herstellt (Kommissions-FAQ II.5). Wie Sie auf solche Dokumenten-Anfragen reagieren, zeigt der Leitfaden Kunde verlangt eine PPWR-Konformitätserklärung.

Erstellen Sie Ihre Konformitätserklärung jetzt

Ob Erzeuger, Händler mit Eigenmarke oder Importeur, der die Erklärung für den Erzeuger im Drittland vorbereitet: Unser geführter Generator erstellt die PPWR-Konformitätserklärung nach dem amtlichen Muster in Anhang VIII; unterschreiben muss der Erzeuger.

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Häufige Fragen

Mein Handelskunde übernimmt die Erzeugerrolle für unsere Eigenmarken-Verpackungen — bin ich damit aus der Pflicht?

Nur teilweise. Die Konformitätserklärung für die Eigenmarken-Verpackung stellt dann der Händler als Erzeuger aus. Als Lieferant müssen Sie aber nach Art. 16 alle für den Konformitätsnachweis nötigen Informationen und Unterlagen einschließlich der technischen Dokumentation zuliefern, und vertragliche Zusatzvereinbarungen verlagern die Dokumentationsarbeit teils zurück zu Ihnen. Eine eigene Erklärung stellen Sie nur für Verpackungen aus, deren Erzeuger Sie sind, etwa mit Ihrem Logo oder als Befüller Ihrer eigenen Produkte; für unbedruckte Standardkartons, Folien und Polster ist Erzeuger die Firma, die sie herstellt.

Ich verkaufe nur fertige Produkte weiter – muss ich trotzdem eine Erklärung erstellen?

Wenn Sie die Verpackung unverändert und unter der Marke des Erzeugers weiterverkaufen, stellen Sie keine Erklärung aus und müssen sie auch nicht vorhalten; Sie prüfen Registrierung, Kennzeichnung und die Angaben zu Erzeuger und Importeur auf der Verpackung (Art. 19). Sobald Sie unter eigener Marke vertreiben oder die Verpackung so verändern, dass die Konformität betroffen sein kann, werden Sie selbst zum Erzeuger (Art. 21), außer Sie sind ein Kleinstunternehmen und Ihr Verpackungslieferant sitzt im selben Mitgliedstaat.

Gelten Amazon-Verkäufer mit Eigenmarke als Erzeuger?

In der Regel ja. Wer Verpackungen unter eigenem Namen oder eigener Marke über einen Marktplatz vertreibt, gilt nach der PPWR als Erzeuger und muss eine eigene Konformitätserklärung ausstellen und die technische Dokumentation vorhalten.

Wer ist verantwortlich, wenn der Erzeuger außerhalb der EU sitzt?

Die Erklärung stellt der Erzeuger im Drittland aus. Der Importeur wird durch die Einfuhr nicht Erzeuger: Er stellt vor dem Inverkehrbringen sicher, dass der Erzeuger die Konformität bewertet, die technische Dokumentation erstellt und die Erklärung ausgestellt hat, gibt seinen Namen und seine Anschrift auf der Verpackung an und hält eine Kopie der Erklärung bereit (Art. 18). Bei Importware ohne Marke muss er die Unterlagen selbst sicherstellen (Kommissions-FAQ X.11). Erzeuger wird er erst mit eigenem Namen oder eigener Marke, durch eine Veränderung nach Art. 21 oder mit eigener Gestaltungsvorgabe.

Macht das Umbranden einer zugekauften Verpackung mich zum Erzeuger?

Ja. Wer eine Verpackung unter eigenem Namen oder eigener Marke vertreibt – etwa durch Anbringen des eigenen Logos – wird nach der PPWR wie ein Erzeuger behandelt und muss eine eigene Konformitätserklärung ausstellen. Ausnahme: Ist der Markeninhaber ein Kleinstunternehmen und sitzt sein Verpackungslieferant im selben Mitgliedstaat, gilt der Lieferant als Erzeuger (Art. 3 Abs. 1 Nr. 13 Buchst. b).

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